Das Museum Brydebuð 


 
   in Vík í Mýrdal


Das Haus hat eine interessante Geschichte. Es wurde als Geschäftshaus in Vestmannaeyjar in den Jahren 1830/31 von zwei dänischen Kaufleuten gebaut. Dort betrieben sie ein Geschäft, das Godthaab genannt wurde. Sie bauten auch ein kleineres Lagerhaus und ein Wohnhaus für den Geschäftsführer, aber dies geriet unter den Lavastrom beim Ausbruch in Heimaey 1973.
Der dänische Kaufmann J.P.T. Bryde betrieb zusammen mit seinem Vater einen umfangreichen Handel in Vestmannaeyjar ab Mitte des 19. Jahrhunderts. 1894 kaufte Bryde Godthaab und ließ im folgenden Jahr das Geschäftshaus zerlegen und in Teilen nach Vík transportieren. Er öffnete dort sein Geschäft, das bis 1914 bestand, die letzten Jahre unter der Leitung seines Sohnes, Herluf Ingjald, der Vater starb 1910. Das Haus, das heute noch steht, wurde also nach Vater und Sohn genannt. Ein Isländer, Þorsteinn Þorsteinsson, kaufte es, zusammen mit einem Geschäftspartner, im Jahre 1914 und betrieb dort bis 1926 Handel.
Dann wurde es von der Genossenschaft des Bezirkes Vestur-Skaftafellssýsla gekauft, die dort bis 1968 ein Geschäft.
Danach stand das Haus viele Jahre leer, bis der Gemeinderat einen Vorschlag annahm, es wieder aufzubauen und als Kultur- und Ausstellungshaus zu nutzen.


Nach der Restaurierung wurde die permanente Ausstellung „Leute und Natur in Mýrdalur“ eröffnet.
Bald tauchte die Idee auf eine weitere Ausstellung einzurichten, die all die Strandungen an der hafenlosen Südküste Islands von Þorlákshöfn im Westen nach Höfn im Osten, zum Thema hat. In dieser Region gibt es 112 registrierte Strandungen, bei denen ca. 100 Männer ihr Leben verloren, aber den dort wohnenden Bauern gelang es etwa 1.200 Menschen zu retten.





Die Ausstellung erhielt den Titel „Gute Strandungen und Schlechte“. Des einen Tod ist des anderen Brot, sagt das Sprichwort. Im Volksmund hieß es „gute“ Strandungen, wenn vieles aus den Schiffen, z.B. Lebensmittel und Fischfanggeräte, gerettet werden konnte, wenn aber wenig zu retten war hieß es „schlechte“ Strandung.


Nachdem die meisten Schiffe aus Stahl gebaut wurden, konnten sich die Bewohner der Region Material zum Schmieden holen. Dies war die Voraussetzung für die ungewöhnliche Elektrifizierung in Vestur-Skaftafellssýsla im 20. Jahrhundert. Sie bestand darin, daß geschickte Leute, fast an jedem Hof im Bezirk und auch anderswo im Lande, selber kleine Wasserkraftwerke bauten.

Brydebuð gilt als das zweitälteste Holzhaus in Südisland.
Ihm gegenüber steht, in einem grossen Lagerhaus, der Küstendampfer SKAFTFELLINGUR, der von 1918 bis etwa 1940 zwischen Reykjavík, Vestmannaeyjar, Vík und weiteren Orten im Bezirk pendelte.
Der Verkehr war seit eh und je das größte Problem dieser Region, als noch keine Strassen oder Brücken über die Flüsse gebaut worden waren.

Die Isländer haben in beiden Weltkriegen erhebliche Mengen von Fisch auf den britischen Markt gebracht. SKAFTFELLINGUR hat solche Fahrten gemacht und stiess bei einer auf ein sinkendes deutsches U-Boot, das aus der Luft angegriffen worden war. Es gelang, die Besatzung zu retten.

Autor: Þorsteinn Baldursson

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